Historie

Die Geschichte der Mädler-Passage

Zwei fortschrittliche Leipziger Geschäftsmänner haben die Geschichte der Mädler-Passage maßgeblich geprägt und sie weltberühmt gemacht: Dr. Heinrich Stromer von Auerbach und Anton Mädler.

Dr. Heinrich Stromer von Auerbach

Dr. Heinrich Stromer von Auerbach

Anton Mädler

                Anton Mädler

Auerbachs Hof1525 begann Dr. Stromer von Auerbach, Rektor an der Leipziger Universität, mit einem Weinausschank im Waldheim-Hummelhainischen Hof. Und weil das Geschäft gut lief, errichtete er bereits fünf Jahre später an selber Stelle einen stattlichen Neubau, das Messehaus „Auerbachs Hof“. Dabei blieben die Kellergewölbe erhalten und wurden künftig für den Weinausschank genutzt.

Zur 100-Jahrfeier des Anwesens, 1625, ließ Ratsherr Johann Vetzer, ein nachfolgender Verwandter von Dr. Stromer von Auerbach, das Messehaus umbauen. Gleichzeitig wollte er für den Weinkeller eine neue Attraktion schaffen: Er beauftragte den Maler Andreas Brettschneider zwei Tafelgemälde anzufertigen, die die Legende von Dr. Faustus – sein Ritt auf dem Weinfass und sein Gelage mit den Studenten in einem Leipziger Weinlokal – darstellen. Durch die Rückdatierung der Gemälde auf 1525, waren diese überlieferten Ereignisse fortan mit dem „Auerbachs Keller“ verbunden und verhalfen ihm zu mehr Bekanntheit, und durch Goethes Faust zu Berühmtheit.

Mädler-Passage um 1920

Mädler-Passage um 1920

Auerbachs Hof vor dem Abbruch

Auerbachs Hof vor dem Abbruch

Bis zum Anfang des 19. Jahrhundert etablierte sich „Auerbachs Hof“ als Messehaus. Mehrfach wechselten die Besitzer, so der Graf Lindenau von Machern und die Grafen von Veltheim. Auch „Auerbachs Keller“ erfuhr weiteren Aufschwung, vor allem die fortlaufende bauliche und künstlerische Ausgestaltung zog immer mehr Gäste an.

Auerbachs Keller SchildAm 1. Januar 1911 erwarb Kommerzienrat Anton Mädler, Inhaber der Koffer- und Taschenfabrik Moritz Mädler, den gesamten Häuserkomplex „Auerbachs Hof“ und kaufte angrenzende Grundstücke dazu. Als die Baupläne Mädlers bekannt wurden, erhoben sich weltweit Stimmen, den „Auerbachs Keller“ zu erhalten. Mädler erwies sich als Idealist und scheute weder Kosten noch Mühen, das Lokal in den Neubau einzubeziehen und noch zu vergrößern.

Bereits 1912 begann der Neubau des ersten Passagenarms in der Grimmaischen Straße. 1914 folgte der zweite Bauabschnitt, der Bau der Rotunde und die Fortführung der Passage zum Neumarkt. Die Mädler-Passage wurde fortan als Messehaus für Porzellan-, Wein- und Ledermessen genutzt.

Diese Tradition setzte sich auch zu DDR-Zeiten fort. Zu den Frühjahrs- und Herbstmessen wurden hier vor allem Porzellan und Steingut ausgestellt. Übrigens wurde die Mädler-Passage durch die DDR nie enteignet, sondern durch das Leipziger Messeamt treuhänderisch verwaltet.

Mit dem Bau des Messehauses am Markt von 1963 bis 1965 erhielt die Mädler-Passage einen dritten Zugang von der Petersstraße. Solche Pläne hatte auch Anton Mädler, konnte sie jedoch zu seiner Zeit nicht realisieren, weil es ihm nicht gelang, die notwendigen Grundstücke dafür zu erwerben.

1993 nach der Wiedervereinigung Deutschlands wollte der Immobilienkonzern Dr. Jürgen Schneider den Komplex sanieren, verwirklicht die Pläne aber nicht, weil der Konzern 1994 in Konkurs ging.

Eingang Neumarkt

Eingang Neumarkt

Eingang Grimmaische Straße

Eingang Grimmaische Straße

Die aufwändigen Umbau- und Restaurierungsmaßnahmen übernahm 1995 die Mädler-Passage Leipzig Grundstück GmbH & Co. KG. Bis 1997 wurde die gesamte Immobilie, einschließlich des „Auerbachs Keller“ nach historischem Vorbild saniert. Heute zählt die Mädler-Passage wieder zu den schönsten und meist besuchten Passagen der Welt.

Maedler-Passage Leipzig